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  Fauler Zauber

 

 
Wir leben in der Zeit der Experten. Das bringt die arbeitsteilige Gesellschaft wohl mit sich, für jeden Lebensbereich gibt es Experten. Die wissen, wie es läuft, haben eingespielte und gesicherte Verfahren und Abläufe, liefern berechenbare Ergebnisse. Die Verantwortung muss man dann nicht mehr selber tragen, man gibt sie ab und tauscht sie gegen die Haftung des Experten ein. Das ist eine feine Sache.

Die Experten lassen ihre Zeit auch nicht ungenützt verstreichen. Im Dienste ihrer Kunden experimentieren sie an neuen Methoden, und das sieht gelegentlich so aus:

Fauler Zauber mit angeblicher Geldvermehrung

250 000 Franken verschwunden, aus der NZZ

Ausgerechnet ein Versicherungsberater und ein Bankangestellter sind  im Herbst 2004 auf einen faulen Zauber hereingefallen, der sie teuer zu  stehen kam: Sie liessen sich dazu überreden, 200.000 beziehungsweise 50.000 Franken in ein angeblich sicheres Geldvermehrungsgeschäft zu  investieren. Die Empfänger des Geldes behaupteten, die Banknoten chemisch vervielfachen zu können, was sich - wen wundert's! - nicht bewahrheitete.  Der bis heute unbekannte Haupttäter behielt die Viertelmillion Franken für sich und tauchte unter. Ein zweiter Täter, der am Schwindel beteiligt war, hat sich am Donnerstag vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten müssen.

Der 25-jährige Kameruner war im Wesentlichen geständig. Er schilderte, wie  ihm der Haupttäter, ein gewisser «Billy», als Provision für sein Mitwirken  einen Betrag zwischen 20.000 und 30.000 Franken versprochen habe. Von  diesem Geld habe er allerdings nie etwas gesehen. Er habe nicht gewusst,  wie die Geldvermehrung funktionieren sollte; ihm gegenüber habe «Billy»  von einem geplanten Diebstahl gesprochen, an dem er teilhaben könne.

Die  angeblich wundersame Geldvermehrung wurde gemäss Anklageschrift von  «Billy» und seinem Mittäter in einem Zürcher Hotelzimmer inszeniert. Der  Versicherungsberater, der 200.000 Franken abgeliefert hatte, war bei dem  Hokuspokus dabei. Die Täter verdunkelten den Raum und tischten  Chemikalien, ein Bügeleisen, Alufolien und Puder auf. Dann forderten sie  den Versicherungsberater auf, Kaffee zu holen, worauf dieser das Zimmer verliess. «Billy» liess das Geld in einer Tasche verschwinden und stopfte  schwarzes Banknotenpapier in einen Karton, den er mit Klebeband  umwickelte. Der Versicherungsberater begab sich mit dem Mittäter ins Badezimmer, wo er mit einer Injektionsnadel Chemikalien in das Paket spritzen sollte. Am Ende wurde er aufgefordert, zwei solche Pakete mit  nach Hause zu nehmen und während mindestens 27 Stunden mit einem Gewicht zu beschweren. Einige Tage später öffnete der Versicherungsberater die  Pakete und entdeckte darin die wertlosen schwarzen Papierstreifen.

Das Bezirksgericht verurteilte den Kameruner wegen Diebstahls zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 18 Monaten...

Manche Dinge kann man gar nicht so gut erfinden, wie sie tatsächlich passieren. Allerdings wundere ich mich immer wieder, was alles geglaubt wird, wenn es gut klingt.

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